Automobilzulieferer im Wandel

Glawe: Innovative und zukunftsgerichtete Lösungen in der Branche gefragt – Wirtschaftsministerium unterstützt Unternehmen und Mitarbeiter

05.02.2020

Unter dem Leitthema „Produktionstechnologien der Zukunft – Antworten der Automobilzuliefererindustrie auf den Wandel“ hat Wirtschaftsminister Harry Glawe am Mittwoch in Rostock über aktuelle Herausforderungen auf dem Branchentag der Automobilzulieferer diskutiert. „Die Automobilindustrie erlebt derzeit einen umfassenden Wandel. Neue Produktionstechnologien, veränderte Anforderungen an Mitarbeitergewinnung und -förderung sowie die Digitalisierung und der Klimaschutz stellen Hersteller und Zulieferer vor große Herausforderungen. Das verlangt innovative und zukunftsgerichtete Lösungen. In Mecklenburg-Vorpommern haben wir eine dynamische Automobilzuliefererindustrie, die sich den Veränderungen stellt. Dabei unterstützen wir die Branche, indem wir passende Rahmenbedingungen schaffen und die Unternehmen bei Forschung und Entwicklung, Investitionen, Digitalisierung und Fachkräftesicherung unterstützen“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe vor Ort.

Veranstalter des Branchentages ist das Netzwerk „automotive mv e.V.“.

Unternehmerische Risiken minimieren

„Bei der Einführung von Digitalisierungslösungen wollen wir vor allem bei kleineren Betrieben helfen, die unternehmerischen Risiken zu minimieren. Deshalb haben wir unsere Förderungen erweitert. So hat jedes Unternehmen unabhängig von der Betriebsgröße die Möglichkeit, Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen zu erarbeiten, die genau auf die Bedürfnisse der Unternehmen zugeschnitten sind“, sagte Glawe.

Um Innovationen in Produktionstechnologien und -verfahren weiter voranzutreiben, hat das Wirtschaftsministerium die Richtlinie zur Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation im Bereich Prozessinnovation für die gesamte gewerbliche Wirtschaft erweitert. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen werden dabei unterstützt, ihre Produktionsprozesse zu analysieren, „digitale“ Lösungsvorschläge (Prozessinnovationen) zu erarbeiten und diese in Pilotprojekten umzusetzen. Dazu wird die Inanspruchnahme externen Sachverstands gefördert (kleine und mittlere Unternehmen bis zu 50 Prozent, große Unternehmen mit bis zu 15 Prozent, maximal 200.000 Euro). Zudem sind im Zusammenhang mit Prozessinnovationen auch Analysen und Beratungen im Hinblick auf die Auswirkungen auf die Beschäftigten im Unternehmen förderfähig (Technikfolgenabschätzung). Ebenso werden die Investitionen in Folge von Prozessinnovationen gefördert. Diese Förderung dient der Umsetzung von Investitionen von zuvor durchgeführten Prozessinnovationen. Hier erhalten kleine und mittlere Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft einen Zuschuss von bis zu 50 Prozent der förderfähigen Ausgaben (max. 100.000 Euro) beispielsweise für Maschinen, Anlagen, Robotik, Automatisierungstechnik wie Sensorik oder Datenübertragungstechnik.

Das Wirtschaftsministerium hat auch die Möglichkeit geschaffen, Investitionen in kleinen und mittleren Unternehmen mit überregionalem Absatz, die der Modernisierung des Produktionsprozesses dienen, zu unterstützen. Betriebe können einen Zuschuss in Höhe von maximal 200.000 Euro beantragen (maximal 50 Prozent).

Entscheidend: Mitarbeiter auf den Wandel vorbereiten

„Die Digitalisierung hat auch erhebliche Auswirkungen auf die Beschäftigten in den Betrieben. Arbeitsorganisation und fachliche Anforderungen an Beschäftigte ändern sich. Entscheidend ist, die Mitarbeiter über spezielle Qualifizierungen darauf vorzubereiten“, sagte Glawe. Zur Unterstützung der Weiterbildung können im Rahmen der Qualifizierungsrichtlinie Unternehmen fast aller Branchen für ihre Mitarbeiter sogenannte Bildungsschecks beantragen und eine 50- bis 75-prozentige Förderung bei branchenübergreifenden oder branchenspezifischen Weiterbildungsmaßnahmen erhalten. Mit der sogenannten Einstellungsrichtlinie werden kleine und mittlere Unternehmen bei der Bewältigung der Umstrukturierungsprozesse und zur Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit durch die Entwicklung innovativer marktfähiger Produkte unterstützt.

Kompetenzzentrum „Digitalisierung in der Arbeitswelt“

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe verwies abschließend auf das Kompetenzzentrum „Digitalisierung in der Arbeitswelt“. Das in Rostock stationierte Zentrum soll dazu beitragen, die Arbeitsmarktakteure in Mecklenburg-Vorpommern (Unternehmen, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Kammern) dabei zu unterstützen, den digitalen Wandel der Arbeitswelt mitzugestalten. Das Kompetenzzentrum wird Informationen zu den Auswirkungen des digitalen Wandels auf die Arbeit bündeln und weitergeben, Weiterbildungsangebote initiieren, über die vorhandenen Unterstützungsangebote bei Digitalisierungsmaßnahmen informieren und gegebenenfalls auch eigene Schulungen in Betrieben anbieten. Das Wirtschaftsministerium unterstützt das Projekt in Höhe von einer Million Euro aus Landesmitteln. Das Kompetenzzentrum wird von den Sozialpartnern Nordmetall und IG Metall mit Unterstützung von DGB Nord sowie der Vereinigung der Unternehmensverbände betrieben. Das Projekt hat im April 2019 seine Arbeit in Rostock aufgenommen.

Automobilzuliefererindustrie in Mecklenburg-Vorpommern

Im Land sind etwa 100 überwiegend kleine und mittlere Unternehmen im Bereich automotive tätig. Davon sind ca. 30 Unternehmen spezialisierte automotive-Zulieferer. Beispiele hierfür sind die Webasto Thermon & Confort SE in Neubrandenburg, die ZF Airbag Germany GmbH in Laage, die Flamm Aerotec GmbH in Laage und die Oberaigner Automotive GmbH in Laage. Mittlerweile arbeiten ca. 5.000 Menschen in diesem Industriezweig und erwirtschaften in den etwa 100 Betrieben einen jährlichen Umsatz von rund 1,6 Milliarden Euro.

So werden in Mecklenburg-Vorpommern hochwertige Fahrzeugklimatisierungs- und Heizsysteme, Komponenten für einen zuverlässigen Insassenschutz und moderne Fahrzeuginformationssysteme gefertigt. Daneben produzieren die Unternehmen im Land hydraulische Präzisionskomponenten, statten Nutzfahrzeuge mit Allradantrieben aus und sind im Bereich der Leichtmetallumformung tätig.

Informationen zum Netzwerk „automotive mv e.V.“

Der Verein „automotive mv e.V.“ wurde im Juni 2006 durch 12 Netzwerkpartner gegründet. Gegenwärtig hat der Verein 22 Mitgliedsunternehmen mit rund 3.500 Beschäftigten und 180 Auszubildenden, die einen Jahresumsatz in Höhe von etwa 1,1 Milliarden Euro erwirtschaften. Mit einem Umsatzwachstum von über 20 Prozent in den letzten sieben Jahren ist die Tendenz dabei sehr positiv. Die Unternehmen des Netzwerkes investierten zudem über 150 Millionen Euro in den Jahren 2014 bis 2019 und planen bis jetzt für 2020 mit Investitionen in Höhe von ca. 30 Millionen Euro. Die Investitionen entfallen dabei hauptsächlich in neue Technologien und in Standorterweiterungen. Zu den Netzwerkmitgliedern gehören große und bekannte Systemlieferanten wie ZF Airbag Germany in Laage, Webasto in Neubrandenburg, Lear Corp. in Wismar, ml&s in Greifswald, Gummifabrik Lubeca in Upahl, Rhodius in Laage, PTS precision in Schwerin oder Oberaigner in Laage. Die Mitglieder des Netzwerkes wollen die vorhandenen Potentiale vor allem klein und mittelständischer Zulieferer effektiver nutzen. So wirbt die Initiative beispielsweise im Zusammenschluss um Aufträge für Unternehmen im Land, berät und unterstützt bei Qualifizierung und Ausbildung, bündelt Kompetenzen und pflegt den Erfahrungsaustausch.

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