Auf Meistertour – Wirtschaftsminister informiert sich bei Handwerksbetrieben in Rostock und Warnemünde

Glawe: Meisterbrief ist wertvoll für das erfolgreiche Führen eines Handwerksbetriebes

22.06.2020
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Wirtschaftsminister Harry Glawe (r.) auf der Meistertour zu Gast beim Handwerksbetrieb „Historische Tasteninstrumente – Johann-Gottfried Schmidt“ in Rostock © WM

Die Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Handwerksberufen stand im Mittelpunkt der Betriebstour, die Wirtschaftsminister Harry Glawe gemeinsam mit Vertretern der Handwerkskammer (HWK) Ostmecklenburg-Vorpommern am Montag in Rostock und Warnemünde unternahm. „Das Handwerk ist in Mecklenburg-Vorpommern ein bedeutender Wirtschaftszweig. Derzeit gilt es, neben den Herausforderungen der Corona-Pandemie weitere Aufgaben zu bewältigen – den zunehmenden Fachkräftemangel und die Nachfolgeregelung in vielen Betrieben. Ein richtiger Weg dabei ist die nachhaltige Stärkung des Meisterbriefs. Schließlich berechtigt der Meisterbrief nach umfassender Weiterbildung als ´Großer Befähigungsnachweis´ zum selbstständigen Führen eines Handwerksbetriebs und zum Ausbilden von Handwerksnachwuchs. Die Unternehmen der Betriebstour zeigen eindrucksvoll, wie wertvoll eine umfassende Qualifikation für das erfolgreiche Führen eines Handwerksbetriebes ist“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe vor Ort. Der Wirtschaftsminister wurde begleitet von Axel Hochschild (Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern) und dem HWK-Hauptgeschäftsführer Jens-Uwe Hopf.

Meisterbrief ist Garant für Qualitätsarbeit, Leistungsfähigkeit und Innovationskraft

Mit der Novellierung der Handwerksordnung 2004 entfiel die Meisterpflicht für 53 Gewerke wie beispielsweise für Fliesenleger, Orgelbauer, Uhrmacher oder Raumausstatter. Die Anzahl der Ausbildungsverträge ist vor allem in diesen zulassungsfreien Gewerken seither drastisch zurückgegangen. Waren es 2004 beispielsweise im Raumausstatterhandwerk noch 51 Lehrlinge in Mecklenburg-Vorpommern, so wurden 2018 nur noch elf Lehrlinge ausgebildet. Im Fliesenlegerhandwerk sank diese Anzahl im gleichen Zeitraum von 110 Auszubildenden auf 16. Zu Jahresbeginn 2020 wurde in zwölf Handwerksberufen die Meisterpflicht mit der Novellierung der Handwerksordnung wieder eingeführt; dazu zählen: Fliesen-, Platten- und Mosaikleger; Betonstein- und Terrazzohersteller; Estrichleger; Behälter- und Apparatebauer; Parkettleger; Rollladen- und Sonnenschutztechniker; Drechsler; Holzspielzeugmacher; Böttcher; Glasveredler; Schilder- und Lichtreklamehersteller; Raumausstatter sowie Orgel- und Harmoniumbauer. „Es ist wichtig, dass die Meisterpflicht in weiteren Berufszweigen als Voraussetzung zum selbstständigen Führen eines Betriebes wieder eingeführt wurde. Schließlich steht die Qualifikation als Garant für Qualitätsarbeit, Leistungsfähigkeit und Innovationskraft. Wir brauchen gut ausgebildete Fachkräfte im Land, die Unternehmen gründen oder übernehmen, um den anstehenden Generationswechsel im Handwerk zu bewältigen“, sagte Glawe.

Axel Hochschild, Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern ergänzte: „Die besuchten Handwerksunternehmen präsentieren die enge Verbindung von Tradition und Moderne im Handwerk, vor allem aber die Bedeutung der Meisterqualifikation im Handwerk. Der Meistertitel steht für höchste Qualität, Sicherheit und Ausbildung. Erfreulich ist deshalb, dass mit Jahresbeginn in 12 Gewerken wie dem Fliesen-, Platten- und Mosaikleger- bzw. dem Orgel- und Harmoniumbauerhandwerk die Meisterpflicht wieder eingeführt wurde. Danken möchten wir diesbezüglich dem Wirtschaftsministerium unseres Landes für die Unterstützung bei der Novellierung der Handwerksordnung und der Meisterausbildung mit dem ‚Meister-Extra‘.“

Historische Tasteninstrumente für Musik der Renaissance und des Barocks

Start der Tour war in Rostock im Unternehmen „Historische Tasteninstrumente – Johann-Gottfried Schmidt“. Der 2003 gegründete Betrieb ist vorrangig im Musikinstrumentenbau tätig und beschäftigt drei Mitarbeiter (davon ein Auszubildender zum Orgel- und Harmoniumbauer). In Handwerksarbeit entstehen in der Werkstatt Instrumente wie beispielsweise Truhen- und Kleinorgeln, Cembali, Spinette, Virginale und Clavichorde der deutschen und italienischen Bauschulen als individuelle Einzelstücke. Zudem werden Instrumente im Kundenauftrag restauriert, repariert und gepflegt. „Der Handwerksmeister und Restaurator Johann-Gottfried Schmidt trägt mit seinem Expertenteam dazu bei, dass die Musik der Renaissance und Barock-Epoche auf Instrumenten erklingt, die in traditioneller, handwerklicher Bauweise hergestellt oder restauriert wurden. So entsteht klangliche Authentizität und musiktechnische Perfektion“, sagte Glawe.

Spezialisiert auf Herstellung und Verlegung von Böden im Schiff-, Industrie- und Wohnungsbau

Die Becker & Partner Baugesellschaft mbH wurde 1991 mit Sitz in Rostock gegründet und hat sich auf die Verlegung von Fliesen-, Betonwerk- und Naturstein sowie Herstellung von Estrich, Spezialböden, Schifffußböden und Bodenbeschichtungen spezialisiert. Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben vorrangig mit 36 Mitarbeitern im öffentlichen Bereich, im Industrie- und Wohnungsbau sowie im Schiffbau im gesamten norddeutschen Raum. „Sporthallen, Krankenhäuser, Hotels, Wohnhäuser und Verwaltungsgebäude – das Kundenspektrum für die umfangreiche Leistungspalette der Becker & Partner Baugesellschaft mbH ist vielfältig und zugleich Basis des Erfolgs der fast 30-jährigen Firmengeschichte“, sagte Glawe.

Qualifizierte handwerkliche Ausbildung steht im Fokus

Zum Abschluss informierte sich Wirtschaftsminister Glawe bei der Warnemünder Bau GmbH bei einem Betriebsrundgang über aktuelle Vorhaben. Die 65 Mitarbeiter des Bauunternehmens – darunter sechs Auszubildende – realisieren Neubauten, sanieren Bestandsgebäude und modernisieren Innenbereiche. „Das Thema Ausbildung steht bei der Warnemünder Bau GmbH weit oben auf der Agenda. Vier Zimmerer, ein Hochfacharbeiter und ein Maurer lernen derzeit im Unternehmen die anspruchsvollen handwerklichen Tätigkeiten rund um den Bau“, sagte Glawe.

Wirtschaftsministerium unterstützt mit Meisterprämie und Meisterextra

Das Wirtschaftsministerium unterstützt über die Programme „Meister-Extra” und „Meisterprämie“ Fachkräfte, die sich qualifizieren oder ein Unternehmen übernehmen wollen. Sofern ein Meister erstmals eine Existenz gründet und einen bestehenden Betrieb übernimmt, erhält er eine einmalige, nicht rückzahlbare Zuwendung in Höhe von 7 500 Euro. Seit 2011 wurde die Meisterprämie 221 Mal ausgezahlt. So wurden Unternehmensnachfolgen im Handwerk in Höhe von rund 1,6 Millionen Euro gefördert. Zudem wird auch der erfolgreiche Abschluss von Meistern in Handwerk und Industrie mit dem „Meister-Extra“ in Höhe von 2.000 Euro honoriert. Bis zu 50 Absolventen erhalten ein „Meister-Extra“ in Höhe von 5.000 Euro, wenn sie als Beste ihres Gewerkes bzw. ihrer Fachrichtung die Meisterprüfung abgelegt haben. Insgesamt wurde das Meister-Extra 1.411 Mal ausgereicht (2,1 Millionen Euro).

Imagekampagne „Besser ein Meister“

Die Betriebsbesichtigungstour fand im Rahmen der landesweiten Kampagne „Besser ein Meister“ statt, die gemeinsam vom Wirtschaftsministerium und den Handwerkskammern in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt wird. Ziel der Marketing- und Imagekampagne ist es, den Meistertitel als Premiummarke zu positionieren, um für das Berufsbild und die Karrierechancen im Handwerk zu werben.

Zahlen zum Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern

Derzeit sind über 20.200 Betriebe bei den Handwerkskammern M-V verzeichnet. Diese beschäftigen über 112.000 Menschen und 5.061 Lehrlinge und erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von neun Milliarden Euro. Gemessen an den gesamtwirtschaftlichen Eckdaten können dem Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern etwa zehn Prozent der Bruttowertschöpfung, rund 14 Prozent der Erwerbstätigen und etwa 25 Prozent des Ausbildungsmarktes zugerechnet werden. Mit 12,4 Handwerksbetrieben je 1.000 Einwohner in Mecklenburg-Vorpommern wird der deutsche Durchschnitt von 11,8 Betrieben pro 1.000 Einwohnern deutlich übertroffen. Im Bezirk der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern sind derzeit 12.200 Betriebe verzeichnet, in denen rund 60.500 Beschäftigte arbeiten. Etwa 3.400 Jugendliche finden hier eine handwerkliche Ausbildung mit Zukunft.